Etwas mehr als 75 Jahre sind vergangen seitdem ein Flugzeugabsturz für eine politische Weichenstellung in Paraguay sorgte. Eines der Opfer war ein hochrangiger Soldat und paraguayischer Präsident. Sein Name: José Félix Estigarribia Insaurralde.
Geboren am 21.02.1888 in Caraguatay, Cordillera, studierte er Agronomie und arbeitete nebenher als Laufbursche bei der Justiz, um sein Studium zu finanzieren. 1908 trat er ins Militär ein und machte schnell Karriere. Ab 1922 studierte er eine Militärakademie in Frankreich und sammelte erste Erfahrungen in der marokkanischen Wüste. Als der Chacokrieg unausweichlich schien ernannte man ihn zum neuen Anführer der paraguayischen Streitkräfte.
Den Krieg unter anderem dank seine Strategien gewonnen kehrte er als Held zurück. Als am 17. Februar 1936 sich die Revolution ereignete wurde er verhaftet und ging sechs Monate ins Gefängnis und danach ins Exil. Mit dem Putsch vom 17. August 1937 konnte er wieder nach Paraguay zurückkehren. Im Mai des darauffolgenden Jahres wurde er außerordentlicher Entsandter in den Vereinigten Staaten von Amerika. Dank der Unterstützung von hochrangigen Militärs wurde am 19. März 1939 er zum Präsidentschaftskandidat und am 15. August des selben Jahres Staatspräsident. Durch den Flugzeugabsturz regierte er Paraguay nur 13 Monate.
Am 7. September 1940 um 10:45 Uhr kamen Präsident Estigarribia in Begleitung seiner Frau Julia Miranda Cueto zum Flugplatz von Asunción mit der Absicht nach San Bernardino zu fliegen, wie sie es schon viele Male zuvor getan hatten. Das Flugzeug, welches für den Flug eingeplant war, befand sich auf dem Rückweg von Concepción nach Asunción, Grund weswegen eine Wartezeit entstand. Diese jedoch wollte Estigarribia nicht hinnehmen und ordnete an ein anderes Flugzeug zu besorgen, welches sie transportieren kann.
Zum Einsatz kam eine Potez 7 Maschine, die für Luftbildaufnahmen ausgestattet war und zur Wartung im Hangar stand. Es wurden die topografischen Instrumente demontiert und Pilot Carmelo Peralta hob zusammen mit dem Präsidentenpaar um 11:45 Uhr ab.
Eine Stunde und 30 Minuten vergingen und das Flugzeug kam nicht zurück zur Basis. Urbieta Rojas, Direktor der zivilen Luftfahrtbehörde, kontaktierte den Polizeichef von San Bernardino um zu erfahren, ob das Flugzeug noch am Boden wäre. Der Polizeichef antwortete, dass das Flugzeug niemals in San Bernardino ankam.
Urbieta Rojas ordnete eine umgehende Suche mit allen zur Verfügung stehenden Flugzeugen an. Keiner fand etwas bis ein Telegramm aus Altos vom Unfallort berichtete. Mit diesem Anhaltspunkt und dem freiwilligen Angebot brasilianischer Postflieger begab man sich zum Absturzort.
Eine Gruppe von Ermittlern versuchte am Unfallort Hinweise zu finden, wei es zu der Katastrophe kommen konnte. Das Resultat war eine gebrochene Kurbelwelle, allem Anschein nach einer fehlerhaften Herstellung zuzuschreiben, so die Experten. Der Rotor der Doppeldeckers liess sich wegen der zentrifugal auftretenden Kräfte nicht mehr bewegen und löste sich. Danach verlor das Flugzeug den Halt und Höhe.
Anwohner des Bereichs, gennant Aguaí-y, gaben zu Protokoll, dass das Flugzeug in etwa 250 m Höhe flog und zu einem gewissen Zeitpunkt eine laute Beschleunigung zu hören war. Darauf folgte ein lauter Schlag und man sah wie der Rotor sich löste. Kurz darauf fiel das Flugzeug wie ein Stein vom Himmel. Das Rotorblatt fand man später in 600 m Entfernung.
Trotz der schaulustigen Nachbarn wurden anscheinend keine Wertgegenstände entwendet. Alle drei Opfer des Absturzes hatten ihren Goldschmuck noch an den Händen und Geld in den Taschen. Unter anderem wurde dies sichergestellt weil einer der Freunde des Ex Präsidenten eine Wachtruppe entsandte.
Die Untersuchungskommission konnte keine Hinweise auf Fremdeinwirken finden, womit der Absturz weiterhin als Unfall eingestuft wurde.
José Félix Estigarribia Insaurralde hätte Paraguay vier Jahre regieren sollen. Sechs Monate nach seinem Amtsantritt setzte er die Legislative sowie die Verfassung ausser Kraft weil „die Nation am Rande der Anarchie stand“. Die Demokratie sollte erst wieder hergestellt werden wenn ein durchführbares Modell der Verfassung ausgearbeitet wird. Dieses Versprechen war jedoch nicht allzu ernst gemeint, da er in den folgenden Monaten seiner Amtszeit besonders breitgefächerte Entscheidungsfreiheit hatte. Estigarribia urde von Higinio Morínigo im Amt beerbt und nachträglich zum Marshall ernannt. Seine autoritäre Verfassung blieb bis 1967 in Kraft und stellte somit die Weichen für politische Führer, bis hin zu General Alfredo Stroessner.

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