Ein stiller Kreuzzug

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Tava’i: Von weniger als 500 ist die Sprache – vermisste Menschen aus der Zeit der Stroessner Diktatur, die ihre Meinung frei heraus sagten, dagegen angingen oder diese gar verteidigten – Menschen wie heute die Mehrzahl von uns.

Die Diktator-treuen Truppen ermordeten sie und warfen sie in anonyme Gräber, die aus Furcht vor Repressalien jahrelang geheimgehalten wurden. Stück für Stück beginnt man ein schreckliches Kapitel Paraguays aufzuarbeiten.

Familienangehörige der Opfer oder Personen die Stroessner nicht positiv gesonnen waren markierten die Stellen der „Massengräber“ mit Kreuzen, so dass man sie heute als Spurenleser finden kann.

Vor wenigen Monaten hatte ein Ex Soldat und treuer Anhänger Stroessners Daten veröffentlicht, wo die Bewegung 14. Mai in der Provinz Caazapá umkreist und ermordet wurde. An der Stelle sollen 60 Stroessner Gegner vergraben worden sein.

„Diese Information erhielten wir von einer Person, die selbst bei der Ermordung mit dabei war“, sagte Rogelio Goiburú, Sohn eines Vermissten des Stroessner Regimes und Direktor der Sektion Reparation und Geschichte des Justizministeriums, während er der Aushebung eines anonymes Grabes im Ortsteil Ñu Kañy von Tava’i teilnahm.

„Dies wird die größte Ausgrabung der Nach-Diktatur-Geschichte. Bis jetzt haben wir immer nur Gräber mit zwei, drei Leichen gefunden aber niemals mehr“, erklärte er.

Seit dem vergangenen Mittwoch ist Goiburú zusammen mit zehn argentinischen Gerichtsmedizinern auf einem Feld von Ñu Kañy damit beschäftigt ein Grab zu reinigen und sich an ein weiteres zu wagen. Während der letzten Jahre wurden 28 nicht identifizierte Leichen gefunden. Obwohl er diverse Indizien hat scheint das Massengrab am meisten Interesse zu wecken.

Die Eigentümer der 60 ha großen Estancia auf dem die Gräber liegen waren so freigiebig, dass Goiburú sogar ihr Flugzeug nutzen konnte, um das Gebiet zu überfliegen. Genau aus der Perspektive, nämlich von oben, sahen diverse Stroessner Gegner das letzte Mal ihr Land bevor sie aus dem Flugzeug geschubst wurden und sterben mussten.

Wie immer hängt auch an der Suche alles am Geld. Die Mittel sind knapp und die Regierung zeigt sich keineswegs so freigiebig wie die Landherren. Mehr noch, sie unterstützt Nachkommen des ehemaligen Diktators, die frei und ohne Scham zu all seinen Taten stehen. Versprochene DNA Abgleiche bleiben demnach weiterhin ohne Deckung.


'Ein stiller Kreuzzug' hat 2 Kommentare

  1. 11. Juni 2016 @ 14:53 redtortuga

    ich empfehle hier den Besuch des Museos de Memorias in ASU, ein persönlicher Freund, el senor Martin Almada ist Leiter des Museums

    Antworten

  2. 8. Juni 2016 @ 11:01 wolfgang

    500 Opfer meint man, wurden die ersten oder die letzten gezählt.In 35.Jahren dürften das wohl mehr gewesen sein.
    Rund 14.Tote pro Jahr wer soll den das Glauben.

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